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Rezension von Melanie Magdalena Hofmann am 08.02.2004

Eine kurze Geschichte der Sprachen


Eine kurze Geschichte der Sprachen Eine kurze Geschichte der Sprachen

von Tore Janson
 
Spektrum Akademischer Verlag, 2003
280 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN: 3827414695
 
Die kurze Geschichte der Sprache von Tore JANSON ist Geschmacksache. Diejenigen, die Sprache, Worte und Buchstaben lieben wie ich, werden begeistert sein. Die Beziehung, die JANSON zwischen Sprache und Geschichte herstellt, ist faszinierend und in dieser Form selten zu lesen. Auf diesen knapp 270 Seiten gibt es einiges über den Wandel europäischer, aber auch afrikanischer Sprachen zu erfahren.

Das Verhältnis der Sprachen untereinander, ihre Ursprünge und ihre Überlebensstrategien werden in vielen Beispielen und anschaulichen Details besprochen, die Informationen überschlagen sich beinahe und Liebhaber werden bestimmt auf ihre Kosten kommen. In überschaubaren Kapiteln werden die Ereignisse der sprachlichen Entwicklung der Menschheit von Beginn an aufgerollt. Gespickt mit geschichtlichen Hintergrundinformationen, die die Wandlungen, das Hervortreten oder Verschwinden einer Sprache verständlich machen, ergibt das ein rundes Bild und eine neuartige Sicht der Dinge - auch auf die eigene Muttersprache, die dem Leser vor der Lektüre noch selbstverständlich war. Der Horizont auf die Zusammenhänge und logischen Konsequenzen geschichtlicher und politischer Vor- oder schlicht Zufälle wird ganz gemächlich geöffnet - und dies auf so charmante Art und Weise, dass man sich nach der Lektüre fühlt, als hätte man vorher schon alles gewusst.

JANSON beginnt mit den Sprachen der Jäger und Sammler, gleitet über in die afrikanische Sprachlandschaft - eines seiner Steckenpferde -, beschreibt Aufstieg und Niedergang der Griechen, ihrer Kultur und Dichtung, bleibt ein bisschen zu lange bei den Römern und Latein hängen (sodass ehemalige Latein-Schüler sich unwohl zu fühlen beginnen), schließt mit dem heutzutage sprachlich alles beherrschenden Neuenglisch ab und liefert auch gleich die Gründe dafür: erst Industrialisierung, dann Globalisierung. Runen und Hieroglyphen bleiben natürlich auch nicht unerwähnt.

JANSON weiß den Leser einzuwickeln und mit kleinen Details bei Laune zu halten. Etwa die Geschichte der Königin BERTHA von Kent, ursprünglich eine fränkische Prinzessin, die im sechsten Jahrhundert aufgrund ihres christlichen Glaubens (der in England keineswegs verbreitet war) das Latein der Briten gründlich auffrischte, indem sie den römischen Missionar AUGUSTINUS mit offenen Armen empfing, der in Britannien für die Verbreitung von vergessenen Lateinkenntnissen mittels Christentum sorgte. Solch augenscheinliche Kleinigkeiten der (religions-)politischen Geschichte Europas brachten nebenbei Aufschwünge und Untergänge für Sprachen und Dialekte mit sich.

JANSON beschreibt auch eine interessante These über die Definition einer Sprache: welche Sprache einem Gebiet zugeordnet wird, findet man heraus, indem man die Menschen befragt, die dort wohnen. So zum Beispiel befindet man Norwegisch und Schwedisch als einander ziemlich ähnelnd. Norweger und Schweden können problemlos miteinander kommunizieren. Kein Schwede würde jedoch von sich behaupten, Norwegisch zu sprechen. Auf diese Art werden die Grenzen gezogen. Die Frage nach der besseren Sprache wird auf- und auch gleich wieder verworfen.

Wesentlich für mich waren die Abschnitte, in denen JANSON sich dem Einfluss der Literatur auf die Entwicklung und das Weiterkommen einer Sprache widmet. Von HOMER und VERGIL über TACITUS, CICERO und CAESAR werden die Dichter in einen besonderen Blickwinkel gestellt: Welche Auswirkung hatte etwa das Werk DANTEs auf die gesamte italienische Sprachkultur, auch in politischer Hinsicht? Dass die deutschsprachige Literatur - wie in beinah jeder Epoche - auch in dieser Hinsicht viel zu spät dran war, um sich etablieren zu können, wird in diesem Buch wiederum bestätigt. Ungewöhnlich genau auch das Literaturverzeichnis, in dem jedem einzelnen Kapitel weiterführende Lektürevorschläge zugeordnet sind. Zum Schluss wirft JANSON sogar noch einen Blick in die Zukunft. Was wird in 200 Jahren mit unserer Sprache passiert sein...?

Dieses Buch scheut wirklich keine Mühen und zeugt von großer Kompetenz des Autors. Jeder Satz wissenschaftlich, klug und trotzdem geschmeidig formuliert.

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