Rezension von Timo Gnambs am 11.01.2004
Beruflich in Kenia und Tansania
Trainingsprogramme für Manager, Fach- und Führungskräfte
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Beruflich in Kenia und Tansania von Christian Boness, Claude-Hélène Mayer, Alexander Thomas |
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Vandenhoeck & Ruprecht,
2003 154 Seiten Preis: 24,90 € ISBN: 3525490542 |
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International agierende Unternehmen sind zumeist auf auslandserfahrenes Fach- und Führungspersonal angewiesen, um wichtige Leitungspositionen zu besetzen und Länder-übergreifende Arbeitskooperationen zu realisieren. Ein häufiger Grund für das Scheitern derartiger Projekte stellen unausgesprochen Konflikte zwischen den Mitarbeitern dar - dies ist umso ärgerlicher, wenn diese auf interkulturellen Missverständnissen beruhen, die durch eine entsprechende Vorbereitung eigentlich hätten vermieden werden können. Dieser Problematik versuchen interkulturelle Trainingsprogramme Herr zu werden. Die zugrunde liegende Vorstellung hinter derartigen Maßnahmen ist, dass Menschen, die in unterschiedlichen kulturellen Umgebungen sozialisiert wurden, auch unterschiedlich Werte, Normen und Rollenerwartungen (sogenannte Kulturstandards) internalisiert haben, die ihr Verhalten in der jeweiligen Situation determinieren. Diese Divergenzen erschweren die Kommunikation und Zusammenarbeit über Kulturgrenzen hinweg und können zu Missverständnissen führen, die in potentielle Konfliktsituationen münden. Als Anfang der 90er Jahre die Privatwirtschaft den Nutzen interkultureller Vorbereitungs- und Trainingsprogramme erkannte und die Nachfrage stieg, traf diese auf ein breit gefächertes Angebot. Zahlreiche Programme mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen, die entsprechend unterschiedliche Wirkung entfalten, rangen unter dem Etikett des "interkulturellen Trainings" um ihren Platz im Fortbildungsrepertoire. Am Anfang standen so genannte Culture Awareness-Programme, bei denen die Teilnehmer weniger auf ein spezielles Land vorbereitet, sondern generell dafür sensibilisiert wurden, dass in verschiedenen Kulturen unterschiedlich wahrgenommen, empfunden, gedacht und agiert wird. Das Ziel dieses Ansatzes ist es, die eigenen kulturellen Prägungen bewusst zu machen und Vorurteile abzubauen. Im privatwirtschaftlichen Sektor verloren sie aber rasch an Bedeutung und wurden zusehends von Contrast Culture-Programmen verdrängt, die einer Vorbereitung auf ein spezielles Land dienen. In Form von Rollenspielen der Teilnehmer mit einem Exponenten des fremden Landes, der kulturspezifisch agiert, werden typische konfliktträchtige Situationen simuliert und gemeinsam analysiert. Durch diese Gegenüberstellung können die kulturell determinierten Verhaltensunterschiede bewusst und erfahrbar gemacht werden. Besonders beliebt sind in letzter Zeit Cultur Assimilator-Ansätze, denen sich der Regensburger Universitätsprofessor Alexander THOMAS verschrieben hat. Die Teilnehmer werden mit so genannten Critical Incidents - kurzen interkulturellen Problemsituationen - konfrontiert und müssen sich für eine von mehreren vorformulierten Erklärungen des einheimischen Verhaltens entscheiden. Jede Alternative wird anschließend ausführlich erklärt und diskutiert. Dadurch werden die Teilnehmer für ihre eigenen "kulturellen Prägungen sensibilisiert" und eignen sich Wissen über kulturelle Unterschiede an, das es ermöglicht, "Ursachen für das Verhalten des fremdkulturell geprägten Handlungspartners auf der Grundlage des fremdkulturellen Orientierungssystems zu interpretieren". Da derartige Programme auch in Einzelarbeit durchgeführt werden können und somit im Vergleich zu Cultur Awarness-Trainings äußerst kostengünstig sind, fanden sie rasch breiten Anklang. Eine persönliche Auseinandersetzung in Form von Rollenspielen können sie allerdings nicht ersetzen. Mit seinem jüngste Coup in der Reihe "Beruflich in..." entführt uns THOMAS in das ferne Afrika nach Kenia und Tansania. Im Zentrum der Betrachtungen steht die dort dominierende Volksgruppe der Suaheli. Ganz im Sinn des Culture Assimilator-Ansatzes werden in zehn Trainingseinheiten, die jeweils einen spezifischen Kulturstandard umreißen, kurze Geschichten formuliert, in denen Deutsche und Kenianer sich in einer Konfliktsituation wieder finden, dessen Grund der Deutsche auf den ersten Blick nicht zu erfassen vermag. Im Anschluss werden drei Erklärungsalternativen angeboten, deren Zutreffen auf die beschriebene Situation vom Trainee bewertet werden soll. Darauf folgt eine nähere Beschreibung der einzelnen Erklärungsalternativen, um die Konfliktsituation besser verstehen zu können. Jede Trainingseinheit wird mit einem kurzen Exposé über die kulturellen Hintergründe des jeweiligen Kulturstandards abgerundet. Im Gegensatz zu den übrigen Büchern der Reihe schließt Vorliegendes mit einer Liste mehr oder weniger hilfreicher Tipps für Führungskräfte; wie etwa folgendem: "Beide Seiten verzichten darauf, den jeweils anderen auf der Basis eigener Werte und Normen zu beurteilen" - ein wahrlich nobles Vorhaben. |
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