Rezension von Timo Gnambs am 26.10.2003
Innovative Weiterbildungskonzepte
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Innovative Weiterbildungskonzepte von Erika Regnet, Laila Maija Hofmann (Hg.) |
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Hogrefe Verlag,
2003 371 Seiten Preis: 39,95 € ISBN: 3801713865 |
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Wie arm wäre doch die deutsche Sprache, gäbe es nicht das Englische. Neben Werbenden und Journalisten machen sich vor allem Wissenschafter hoch verdient um die Weiterentwicklung des Deutschen, indem sie bei jeder passenden (und auch weniger passenden) Gelegenheit Anglizismen importieren. Employability nennt sich der jüngste Clou im Bereich der Personalentwicklung (bzw. dem Zeitgeist entsprechend formuliert: Human Resources Developement). Dies meint, dass es in der individuellen Selbstverantwortung jedes Arbeitnehmers liegt, für den Arbeitgeber bzw. globaler für den Arbeitsmarkt attraktiv zu sein. Heutzutage da neue Innovationen und Technologien oft eine Halbwertszeit aufweisen, die nur einen Bruchteil ihrer Entwicklungszeit haben, sind lebenslange Beschäftigungsverhältnisse nur noch ein Relikt längst vergangener Zeiten. Vielmehr wird von jedem einzelnen erwartet, selbst Anstrengungen zu setzen, um sich fortwährend weiter zu qualifizieren und am Puls der Zeit zu bleiben. In diesem Sinne widmet sich vorliegendes Buch den aktuellen Trends im Fort- und Weiterbildungsbereich. Bereits in der 3. Auflage liegt es vor, wie die Herausgeber explizit hervorheben - als ob dies ein Qualitätsmerkmal eines Buches wäre; die Ergüsse von Dieter BOHLEN werden auch ständig in neuen Auflagen verlegt... So unterschiedlich die thematischen Beiträge der verschiedenen Autoren ausfallen, so heterogen erweist sich auch deren Qualität. Im Folgenden seien vier Ansätze kurz skizziert. Andreas BITTNER widmet sich zunächst dem Interkulturellen Training. Es gehört schon fast zum guten Ton vieler international tätiger Unternehmen, ihre im Ausland tätigen Mitarbeiter mittels interkultureller Weiterbildungsprogramme auf die unterschiedlichen Anforderungen in der neuen Arbeits- und Lebensumgebung vorzubereiten. Gerade in Branchen, bei denen die Arbeit im Team oder mit Kunden verschiedener Nationalität eine wichtige Rolle spielt, können Missverständnisse bzw. Unwissen bez. der unterschiedlichen Werte, Normen und Rollenerwartungen, die die Basis jeglicher Kommunikation bildet, die Zusammenarbeit derart erschweren, dass trotz fachlicher Kompetenz Arbeitsprojekte allein daran scheitern. Gezielte Vorbereitung auf die neue Kultur (nicht nur im Sinne von statischem Erlernen von Faktenwissen) bedeutet vor allem auch ein bewusstes Gewahrwerden und Überdenken des eigenen Verhaltens und der darin transportierten impliziten Erwartungen in Form praktischer Übungen. Um die Ausarbeitung derartiger Programme macht sich in jüngster Zeit vor allem Alexander THOMAS in seiner Reihe "Beruflich in..." verdient. Ein weiteres Methodenkonglomerat beschäftigt sich mit der Integration moderner Informations- und Kommunikationsangebote in den Bildungsprozess. Durch die rasante Verbreitung des Internets auch in privaten Haushalten eröffnen sich "insbesondere für arbeitsplatznahe Aus- und Weiterbildung" neue Möglichkeiten wie E-Learning. Das Angebot diesbezüglich ist breit gefächert. Computer-Based Trainings bezeichnen Computer-Lernprogramme, die bereits seit den 80er Jahren zu Selbststudienzwecken eingesetzt werden. Web-Based Trainings beschreiben Lernmöglichkeiten via Internet/Intranet mit Hilfe von Wissensdatenbanken, Übungen, Tests etc. Beim Online Lernen gesellen sich zudem (a)synchrone Kommunikations- und Austauschmöglichkeiten zwischen Lehrenden/Tutoren und Lernenden hinzu, die den Lernprozess stark beeinflussen. Wenn anfänglich auch ein regelrechter E-Learning-Hype ausgemacht werden konnte (alles, was nicht zumindest zum Teil das Internet in das Bildungsgeschehen einband, wurde als Anachronismus belächelt), hat dies einer differenzierteren Betrachtungsweise Platz gemacht. Heinz MANDL und Katrin WINKLER formulieren dies in ihrem Beitrag äußerst prägnant: "Der Einsatz der neuen Technologien für das Lernen ist nur dann sinnvoll, wenn dies vor dem Hintergrund einer neuen Lernkultur geschieht, denn allein das Hinzufügen der Technologien zu den traditionellen Lehr-Lernmethoden bringt keinen Mehrwert." Diese neue Lernkultur meint einen Wandel weg von der passiven Rolle des rezeptiven Lernens, die die herkömmlichen Bildungsinstitutionen prägt, hin zu einer aktiven Rolle, in der Lernen als Prozess aufgefasst wird. Dieser Prozess ist gekennzeichnet durch eine selbstgesteuerte Auseinandersetzung mit dem Lernstoff vor dem Hintergrund der individuellen Erfahrungen und vor allem im sozialen Kontext mit anderen - ein Wandel, der fundamental andere Anforderungen an die didaktische Aufbereitung der Lerninhalte sowie der Lernumgebung (der E-Learning-Plattform im vorliegendem Fall) zur Folge hat. Neben diesen eher als traditionell zu bezeichnenden Methoden rittern auch diverse weniger bekannte, in meinen Augen vorwiegend experimentelle Methoden, deren Nutzen nicht unumstritten ist, um ihre Position auf dem Fort- und Weiterbildungsmarkt. Anna SCHWERDTFEGER stellt z.B. einen sehr kreativen Ansatz vor, mit Hilfe künstlerischer Betätigung ein "authentisches Persönlichkeitsprofil", der spezifischen Stärken und Schwächen des Klienten, zu erarbeiten. Peter SCHETTGEN geht in eine andere Richtung - er schickt seine Manager in Kurse für fernöstliche Kampftechniken, die den entspannungsbedürftigen Herren aus den Führungsetagen bei deren individueller Persönlichkeitsentwicklung und ihrem Stress- bzw. Konfliktmanagement helfen sollen. "Das Buch ist aus der Praxis für die Praxis entstanden", geben die Herausgeber an. Inwieweit es diesem Ziel gerecht wird, sei dahingestellt. So deckt es fürwahr ein breites Spektrum aktueller Trends im Weiterbildungs- und Personalentwicklungsbereich ab. Wie bei derartigen Werken üblich, kratzt es allerdings nur an der Oberfläche und vermag allerhöchstens Neugier auf ein wenig mehr zu wecken. Ein Muss für Praktiker ist es somit keineswegs - einen Anstoß zum Überdenken eigener Trainingsangebote und Vorschläge für neue Methoden und Arbeitsweisen liefert es aber allemal. |
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