Rezension von Timo Gnambs am 29.08.2003
Beruflich in Tschechien
Trainingsprogramm für Manager, Fach- und Führungskräfte
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Beruflich in Tschechien von Ivan Novy, Sylvia Schroll-Machl |
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Vandenhoeck & Ruprecht,
2003 150 Seiten Preis: 24,90 € ISBN: 3525490550 |
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Wir leben in einer zunehmend globalisierten Welt (wie auch immer man zu dieser Tatsache stehen mag). Geographische Distanzen stellen nicht zuletzt durch die rasante Entwicklung moderner Kommunikationstechnologien keine unüberwindlichen Barrieren mehr dar. Die (möglichst akzentfreie) Beherrschung einer Dritt- oder Viertsprache wird oft nicht mehr nur als vorteilhafte Zusatz- sondern bereits als erforderliche Basisqualifikation vieler Wirtschaftstreibender angesehen. So sind grenzübergreifende Arbeitsprojekte in vielen Branchen gang und gäbe. Ein fundamentales Missverständnis birgt jedoch die Annahme, dass Fremdsprachenkenntnisse allein für erfolgreiche interkulturelle Interaktionen ausschlaggebend sind. Eine zumindest ebenbürtige Bedeutung kommt auch dem Verständnis der Kulturstandards des Gastlandes, also der impliziten Werte, Normen und Einstellungen, die zwangsläufig das individuelle und kollektive Verhalten einer Gruppe beeinflussen, zu. Man stelle sich nun folgendes Szenario vor: Ein deutsch-tschechischer Verband verschiedener Unternehmen organisierte eine mehrtägige Tagung zur Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen. Die Koordination und Leitung der Veranstaltung wurde paritätisch unter den Deutschen und Tschechen aufgeteilt. Am ersten Tag führte eine deutsche Managerin durch das Programm. Am Abend nach dem offiziellen Part saßen die tschechischen Teilnehmer noch bis in die frühen Morgenstunden in einer gemütlichen Runde beisammen; die deutschen Kollegen hingegen zogen sich früh auf ihre Zimmer zurück. Aufgrund der langen Nacht sah sich der tschechische Verantwortliche am nächsten Morgen nicht in der Lage wie geplant die Moderation zu übernehmen und bat seine deutsche Kollegin diese durchzuführen. Sie folgte seiner Bitte zwar, um den Erfolg der geplanten Tagung nicht zu gefährden - innerlich jedoch kochte sie wegen ihres Kollegen, der nichts anderes zu tun hatte als sich die Nacht mit Jux und Tollerei um die Ohren zu schlagen. Legt man als Deutscher (oder Österreicher) unreflektiert seine eigenen Wert-Maßstäbe auf obige Situation um, ist man wohl rasch geneigt, den Emotionen der deutschen Verantwortlichen zu folgen. Tschechen "funktionieren" jedoch anders. So stellt der Kulturstandard Personenorientierung, wie es die Autoren prägnant formulieren, in diesem Fall den Kern des Missverständnisses dar. Dieser beschreibt die Tatsache, dass Tschechen in ihren zwischenmenschlichen Interaktionen der Beziehungsebene stets Vorrang vor Sachaspekten einräumen. Sie sind zuallererst darauf bedacht, zu ihren Kollegen eine harmonische Beziehung aufzubauen. Als sich genau diese Möglichkeit am Abend der Tagung ergab, ließen ihn die Tschechen natürlich nicht ungenutzt verstreichen. Sie pflegten zuallererst ihre Kontakte, aber tauschten sich nebenbei auch beruflich aus. (In diesem Beispiel kommt auch der Kulturstandard Simultanität zum Ausdruck; Tschechen machen im Gegensatz zu Deutschen gerne viele Dinge parallel.). Aus Sicht der Tschechen verhielten sich die Deutschen äußerst ungeschickt - bot sich hier doch die einmalige Gelegenheit, sich besser kennen zu lernen. Doch was machen diese - sie gehen schlafen. Dieses einfache Beispiel verdeutlicht die Bedeutung und vor allem das mögliche Konfliktpotenzial unbekannter Kulturstandards. Der Regensburger Universitätsprofessor Alexander THOMAS vertieft sich bereits seit einigen Jahren in diese Thematik. Für seine Reihe "Beruflich in..." sammelt er Experten für die verschiedensten Länder und veröffentlicht seit letztem Jahr kurze Trainingsprogramme für Manager und Führungskräfte zur Verdeutlichung dieser Standards. In überschaubaren, wohl portionierten Häppchen werden die wichtigsten Kulturstandards des jeweiligen Landes (Tschechien im vorliegenden Fall) in Form exemplarischer Beispiele erörtert - genau richtig für gestresste Managerseelen, um sie kurz zwischen dem Frühstück und den ersten Börsennachrichten zu überfliegen. Ob sie derart verabreicht tatsächlich hilfreich sind, darf stark angezweifelt werden. Derartiges will nicht nur faktisch erlernt sondern wirklich verstanden werden. Um eingehende praktische (Gruppen-)Übungen wird man dabei kaum umhin kommen. Somit ist die Reihe vor allem Trainern zur Entwicklung eigener Programme wärmstens ans Herz zu legen. Betrachtet man den rasanten Output von THOMAS, so wird er wohl bald den Grossteil unseres Erdkreises mit seiner Reihe abgedeckt haben. Da bleibt nur eines zu hoffen: dass bald auch ein Band über Österreich in die Läden kommt - vielleicht verstehe ich manche meiner Mitbürger dann ein wenig besser. |
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