Rezension von Timo Gnambs am 25.05.2003
Träume, Spielräume II
Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung
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Träume, Spielräume II von Ralf Zwiebel, Marianne Leuzinger-Bohleber (Hg.) |
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Vandenhoeck & Ruprecht,
2003 143 Seiten Preis: 19,90 € ISBN: 3525460201 |
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Mit seinen psychoanalytischen Blättern leistet sich der kleine, aber renommierte Verlag Vandenhoeck & Ruprecht bereits seit einigen Jahren den Luxus einer Buchreihe für einen ausgewählten Kreis hochspezialisierter Profis. Mit Band 21 setzen die Herausgeber Ralf ZWIEBEL und Marianne LEUZINGER-BOHLEBER, beide in Fachkreisen schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr, ihre Auseinandersetzung mit dem Medium "Traum" im psychoanalytischen Kontext fort. Während sich das Vorgängerwerk der verschiedenen theoretischen und klinischen Aspekte aktueller psychoanalytischer Traumpsychologie annahm und im Zuge dessen die von FREUD postulierten Erkenntnisse zum Traum mit aktuellen Befunden der Neurowissenschaften und der empirischen Traumforschung konfrontierte, umfasst der vorliegende Band eine Sammlung von Arbeiten, die thematisch zwar mit dem Traum in loser Verbindung stehen, im engeren Sinn aber nicht zur klassischen, klinischen Traumdeutung gezählt werden können. So bleibt der Traum auch weiterhin, um mit den Worten der Herausgeber zu sprechen, die Via regia, der Königsweg, zum Verständnis der unbewussten, inneren Welt des Menschen. Dennoch scheint eine Fülle weiterer Verbindungen zwischen Traum und verschiedenen innerpsychischen Aspekten wie z.B. der "Kreativität" einer näheren Betrachtung würdig. In sechs Einzelbeiträgen nehmen sich Autoren aus dem deutschen und us-amerikanischen Raum unterschiedlicher traumähnlicher Phänomene an. Als Einstieg nähern sich GRUNER & ZWIEBEL dem Medium Film und stellen einige Grundelemente psychoanalytischer Filminterpretationen vor, die anhand des Hichcock-Klassikers "Vertigo" zugleich auf ihre Gültigkeit hin überprüft werden. OHLMEIER beschäftigt sich sodann in seinem Artikel mit dem Verhältnis von Affekten und Träumen und welche praktische Implikationen für die psychoanalytische Traumarbeit daraus abgeleitet werden können. LENKITSCH-GNÄDLINGER wählte einen empirischeren Zugang. Sie untersuchte die Entwicklung der Beziehung werdender Eltern zu ihrem ungeborenen Kind während der Schwangerschaft - vom ersten Schrecken über deren Eintreten, der Gewahrwerdung der Elternschaft und den Phantasien über das Traumkind bis zur Geburt und dem Wechsel vom Traum- zum realen Kind. Im Rahmen der Kleinkindforschung plädiert DORNES sodann für einen interdisziplinären Dialog und eine tiefergehende Beschäftigung der Psychoanalyse mit diesem oft vernachlässigten Gebiet. HERZOG beschreibt ein sehr persönliches Fallbeispiel. Auf eindrucksvolle Weise schildert er die psychischen Leiden eines kleinen Mädchens, dessen Schwierigkeiten eng mit der unbewussten innerfamiliären, aber auch generationsübergreifenden Weitergabe der Traumatisierung als Holocaustopfer verwoben sind. Schließlich endet das Werk mit einem Beitrag von KRYSTAL, der zu den Pionieren der modernen Traumaforschung zählt. Aufgrund seiner jahrelangem Arbeit mit Überlebenden des Holocaust gelangt er zum Schluss, dass Extremtraumatisierte keine normale Trauerarbeit verrichten können und bei ihnen häufig die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit verschwimmt. |
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