Rezension von Timo Gnambs am 24.03.2003
Lehrbuch Klinische Psychologie-Psychotherapie
Klassifikation, Diagnostik, Ätiologie, Intervention
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Lehrbuch Klinische Psychologie-Psychotherapie von Urs Baumann, Meinrad Perrez (Hg.) |
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H. Huber, Göttingen,
1998 1107 Seiten Preis: 69,95 € ISBN: 3456829884 |
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Mit Kleinigkeiten geben sich Urs BAUMANN und Meinrad PERREZ, die Herausgeber des vorliegenden Werkes, nicht zufrieden. Nicht weniger als ein umfassendes Lehrbuch über das nicht gerade überschaubare Gebiet der klinischen Psychologie/Psychotherapie legen sie uns vor. Mit über 1000 Seiten entstand so ein kolossaler Wälzer, dessen Anblick allein den Leser bereits vor Ehrfurcht verstummen lässt. Die vorliegende zweite Auflage des weithin bekannten Lehrbuchs (gegenüber der ersten Auflage handelt es sich nur noch um einen Band), für die über 50 namhafte Autoren verantwortlich zeichnen, überrascht mit umfangreichen Überarbeitungen und zahlreichen neuen Kapiteln (wie z.B. zur Ethik in der klinischen Psychologie und zum Coping als Konzept der Ätiologie). Bislang konnten bei klinischen Lehrbüchern hinsichtlich der Herangehensweise an die Thematik zwei große Ansätze unterschieden werden. Die einen strukturieren den Inhalt vornehmlich nach störungsübergreifenden Aspekten, wie der Pathopsychologie, Psychodiagnostik und der Intervention. Andere wiederum orientieren sich eher an störungsbezogenen Aspekten. Hierbei stehen spezifische Störungsbilder im Brennpunkt der Betrachtungen (vgl. dazu ICD bzw. DSM). Beide Herangehensweisen sind legitim und haben ihre Vorteile. Vorliegendes Lehrbuch kombiniert nun beide Ansätze und rollt das Fachgebiet von beiden Seiten auf. Während sich der störungsübergreifende Abschnitt vornehmlich den theoretischen Grundlagen klinischer Syndrome (Klassifikation, Diagnose, ätiologische Erklärungsmodelle, Epidemiologie, Intervention) widmet, befasst sich der störungsbezogene Teil eingehend mit spezifischen psychischen Symptomkomplexen. Die Gliederung erfolgt hierbei jedoch nicht, wie zumeist üblich, anhand einzelner klinischer Störungsbilder (wie im ICD bzw. DSM). Vielmehr werden verschiedene Einzelfunktionen (wie Wahrnehmung, Gedächtnis, Emotion, Motivation etc.), komplexe Funktionsmuster und interpersonelle Systeme genauer betrachtet; wobei jedoch weitestgehend Bezug auf die gängigen Diagnosemanuale genommen wird. Rätselhaft bleibt nur, warum die Herausgeber darauf bestehen, ihr Werk als Lehrbuch zu betrachten. Denn als solches fällt das Urteil wenig vorteilhaft aus; viel zu komplex und umfangreich ist es. Auf didaktische Aspekte wurde augenscheinlich nicht allzu viel Bedacht genommen. Ich bedaure jeden Studenten, der nach diesem Buch lernen muss. Als Handbuch oder Nachschlagewerk jedoch stellt es eine Bereicherung für jede Fachbibliothek dar. |
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