Rezension von Timo Gnambs am 06.01.2003
Die Macht des Bildes
Der Einfluß der nonverbalen Kommunikation auf Kultur und Politik
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Die Macht des Bildes von Siegfried Frey |
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H. Huber, Göttingen,
1999 173 Seiten Preis: 19,95 € ISBN: 3456830882 |
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Mimik, Gestik und Körperhaltung als die wichtigsten nonverbalen Aspekte der Kommunikation standen bislang zumeist nur im Rahmen der Ausdrucksforschung im Brennpunkt wissenschaftlicher Überlegungen. Vorherrschend war die Frage, welche Aussagen sich über innerpsychische Prozesse des Kommunikators, also des Merkmalsträgers, treffen lassen. Die Wirkung nonverbaler Kommunikationsmerkmale auf den Empfänger, die Zielperson der Botschaft, wurde bislang eher stiefmütterlich behandelt und nur äußerst unergiebig erforscht. Selbst erklärtes Ziel des Kommunikationswissenschafters Siegfried Frey ist es nun, mit seinem neuen Werk ein Umdenken in der Welt kommunikativer Forschung einzuleiten und diesem stark vernachlässigten Zweig endlich Leben einzuhauchen. Das Buch kann in vier große Abschnitte unterteilt werden: Im ersten skizziert Frey vor dem Hintergrund der technologischen Bewegtbildentwicklung (Kino, Fernsehen) die Anfänge und Fortschritte professioneller Kommunikationsforschung. Trotz der frühen Entdeckung der Bedeutung des Visuellen für den sozialen Interaktionsprozess gelang es nicht, das wissenschaftliche Interesse für die Wirkung nonverbaler Reize zu wecken. Der zweite Teil geht auf die aktuellen Ergebnisse der Kommunikationsforschung ein, die unter anderem zur Konzeption eines allgemeinen Alphabets der Körpersprache führten, welches im vom Autor mitentwickelten Berner System zur Beschreibung natürlicher menschlicher Bewegungen mündete. Damit wurde es nun erstmals möglich, die Bewegungen des menschlichen Körpers, der Gliedmaßen und des Kopfes über ein komplexes Kodierungssystem systematisch zu erfassen. Mit diesem methodischen Rüstzeug ausgestattet stand empirischen Untersuchungen zur nonverbalen Kommunikation nichts mehr im Wege. Der dritte Abschnitt fasst die Ergebnisse einer interkulturellen Studie über Medienwirkung von Politikern zusammen. 180 Versuchspersonen in Deutschland, Frankreich und den USA wurden kurze (nur einige Sekunden lange), tonlose Ausschnitte aus TV-Nachrichten mit dem Auftreten diverser Politiker vorgespielt. Frey konnte nachweisen, dass selbst diese ganz kurzen Filmsequenzen bei den Zusehern derart kognitive und affektive Wirkungen entfalteten, dass sie zu einer Einstellungsänderung gegenüber den gezeigten Politikern führten. Im abschließenden vierten Abschnitt schließlich skizziert Frey, seinem primären Anliegen entsprechend, die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation für unseren Alltag und die Konsequenzen, die sich daraus für künftige Forschungen ableiten lassen. Wenn Frey angesichts des technologischen Fortschreitens multimedialer Kommunikation von einer visuellen Zeitenwende spricht, dann ist dieser Beobachtung im Grunde wenig entgegen zu halten. Das Bild, vor allem das bewegte, ist aus unserem Gesellschaftsleben nicht mehr wegzudenken. Fernsehen ist für viele fast so unverzichtbar wie der tägliche Frühstückskaffee. Allerdings drängt sich mir dabei die Frage auf, ob nonverbale Kommunikationsaspekte, nur weil wir heute in einer visualisierten Gesellschaft leben, deshalb auch stärker wirken als früher. Schließlich gab es nie eine bildlose Gesellschaft. Wo heute Fernsehen und Video dominieren, waren es in vorchristlichen Zeiten eben Porträts und Büsten. Ich vermisse eine integrative Gesamtbetrachtung der Materie. Manchmal scheint es, als ob Frey nonverbalen Komponenten eine Art absolutistischen Anspruch beimisst. Andere Aspekte zwischenmenschlicher Kommunikation streift er nicht einmal peripher - aber das ist vielleicht auch nicht Ziel des vorliegenden Buches. |
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